Freitag, 25. August 2017

GoNorth Road Trip - Auf dem Stewart-Cassiar-Highway in den Yukon

30.06.2017 - Freitag - Bell II - Boya Lake

Monika und Jochen sind heute schon vorgefahren, um uns einen Stellplatz auf dem Campground am Boya Lake zu sichern. Wir wollen den morgigen Feiertag, den Canada Day, am Boya Lake verbringen. Wir befürchteten aufgrund des Feiertags und des diesjährigen 150. Geburtsag von Kanada, dass es dort möglicherweise voll sein könnte. Da es nach dem Prinzip "first come, first serve" geht, lässt sich auch kein Platz reservieren und wir mussten einfach auf gut Glück hinfahren.

Roman und ich starteten auch zeitig nach dem Frühstück, denn der Weg war lange. Es galt fast 400 km zu bewältigen und unterwegs lud der ein oder andere See noch zu einem Zwischenstopp ein. Angehalten haben wir unter anderem am Dease Lake, um zu Tanken, Einzukaufen und am See unsere Mittagspause zu verbringen. Viel mehr hatte der Mini-Ort auch nicht zu bieten.

Jochen und Monika hatten wir unterwegs eingeholt. Aber da die beiden ohne viele weitere Stopps weiterfahren wollten, sind wir die Strecke unanabhängig von einander weitergefahren und haben uns später auf dem Campground wiedergetroffen.

Auf dem Stewart-Cassiar-Highway

Auf dem Stewart-Cassiar-Highway

Dease Lake

Auf dem Stewart-Cassiar-Highway


Einen weiteren Stopp auf unserer Tour war das Örtchen Jade. Wie der Name schon verrät, wird dort Jade verarbeitet. Wir haben an den Jade-Souvenier-Shop einen Stopp eingelegt. Eigentlich hatten wir gedacht, dass man dort jemandem beim Schleifen der Steine über die Schulter schauen kann, aber hier war wie auch schon am Dease Lake "der Hund begraben". Ich habe mir einen kleinen Glücksbringer gekauft und wir haben den kostenlosen Kaffee getrunken.

Jade City


Danach wurde es nochmal interessant, denn wir wollten dem Geister-Ort Cassiar, der dem Highway unter anderem den Namen gab, einen Besuch abstatten. Dafür musste man eine ca. 10 km lange Stichstraße den Berg hochfahren. In der verlassenen Mine wurde Asbest abgebaut. Sie wurde 1992 geschlossen. Es stehen einige Häuser noch mehr oder weniger gut in Schuss herum und aber manche sind doch sehr zerfallen. Am beeindruckensten ist allerdings die rieße Schutthalde, die vermutlich auch giftiges Asbest beinhaltet. Sehr unheimlich dieser Ort.

Ich wollte hier nicht aus dem Auto aussteigen. Roman war mutiger und hat sich für eine kleine Foto-Tour aus dem Auto gewagt. Bei seinem kleinen Runde kam er mit der Fahrerin des einzigen weiteren Autos weit und breit ins Gespräch. Ihr Vater hat hier in der Mine gearbeitet und ist hat hier ihre Kindheit verbracht. Ihr Vater ist nun schwer krank oder bereits verstorben, das weiß ich nicht mehr genau, und sie wollte sich den Ort, an dem sie früher gelebt haben nochmal anschauen. Wer weiß wieso er krankgeworden ist. Vielleicht weil er jahrelang hier gearbeitet hat? 😌

Schon verrückt, dass eine Mine einfach geschlossen wird und vermeintlich alles stehen und liegen gelassen wird - inklusive dem giftigen Müll. In mnachen Häusern konnte man noch Wohnungsgegenstände und Sat-Schüsseln am Haus sehen. Eigentlich nimmt man soaws doch mit, wenn man wegzieht, oder etwa nicht? 😲

Abstecher nach Cassiar

Asbest Hügel in Cassiar

Abstecher nach Cassiar


Nach dem etwas verstörenden Trip nach Cassiar ist es umso schöner am wunderschönen Boya Lake anzukommen. Dort warten Monika und Jochen auf uns. Wir haben einen exzellten Stellplatz direkt am See und können das tolle grüne Wasser direkt von unserem Stellplatz aus genießen.

Auf dem Stewart-Cassiar-Highway

Good Hope Lake am Stewart Cassiar Highway

Schmetterling am Wegesrand

Boya Lake

Boya Lake

Boya Lake

Boya Lake


Auf dem Campground treffen wir auch die Thüringer wieder, die wir gestern beim Campground der Bell II Lodge kennengelernt haben. Die zwei werden morgen in Richtung Alaska weiterfahren. Ihr Ziel ist unter anderem Homer zum Hochseeangeln. Da den beiden ihr Bier ausgegangen ist, verkaufen wir kurzerhand einen Teil unserer Flaschen. Man hilft sich auf so einem Campground doch gerne aus.

Wen wir hier auch wieder getroffen haben, ist der gesprächige Herr mit dem alten Minnie Winnie Camper. Ihn haben wir an der Tankstelle am Dease Lake schon getroffen und abends nun wieder hier auf dem Campground. Wir nennen ihn nur noch "Minnie Winnie" und sind uns sicher, dass wir ihn nicht zum letzten mal gesehen haben. Die Welt ist klein oder aber es gibt nur einen Highway und alle wollen in dieselbe Richtung... 😅

Heute wurde zum ersten mal gegrillt und ein Bonfire dafür entzündet. Wir haben uns dafür vom Campground Host Feuerholz gekauft. Gegrillt wurden Burger Patties und später noch s'mores. S'mores ist DER Lagerfeuer-Snack schlechthin und gehört in Kanada und USA zu jedem Bonfire. Ich habe diese Köstlichkeit vor Wochen in Canmore kennengelernt und wollte es seitdem immer mal selbst ausprobieren und heute Abend war es dann soweit. Der Snack besteht aus einem Marshmallow, Schokolade und Keks, wobei das Marshmallow über dem Feuer geröstet wird, die Schokolade soll dadurch etwas schmelzen und gegessen wird das ganze dann zwischen zwei Kekshälften, ähnlich wie ein Sandwich. Roman ist auf Anhieb begeistert. Monika und Jochen müssen erst noch überzeugt werden. 😋

Wir beschließen den Abend mit einem langen gemütlichen Lagerfeuer-Gespräch mit Bier, Wein und Whiskey. So habe ich mir das immer vorgestellt: mit dem Camper auf einem Campground an einem See in der kanadischen Wildnis plus ein Lagerfeuer und wir sitzen gemütlich auf unseren Campingstühlen drumherum. Canada Day kann kommen! 😊🍁



01.07.2017 - Samstag *** Canada Day *** - Boya Lake - Watson Lake

Zur Feier des Tages und weil man immer mit einem ordentlichen Frühstück in den Tag starten sollte, erst recht, wenn man unterwegs ist, gibt´s heute morgen unter anderem Speck und Ei zum Frühstück. Frisch gestärkt machen wir  danach zu viert einem kleinen Spaziergang am Boya Lake entlang. Der See hat so eine unglaublich tolle grüne Farbe. An manchen Stellen sieht es fast schon surreal grün aus. Aber den See gibt es wirklich! 💚

Monika und Jochen machen sich danach auf und fahren weiter in Richtung Watson Lake. Eigentlich wollten wir ja die heutige Nacht nochmal hier stehen, aber es war Regen angekündigt und die beiden hatten zusätzlich das Problem, dass ihre zweite Propangas-Flasche versehentlich nicht befüllt wurde. Theoretisch wären wir die eine Nacht noch mit dem Tank aus unserem Camper klargekommen oder wir hätten einen der anderen Camper fragen können, ob sie eine Flasche tauschen können. Aber wohler fühlten sich die beiden nicht damit, was ich verstehen konnte. Schließlich läuft die Kühlung sowie der Betrieb der Wasserpumpe darüber.

Roman und ich zogen uns nachdem der Regen eingesetzt hatte in den Camper zurück und wollten den Regen eigentlich mit Lesen, einer PC-Session und Relaxen aushalten, aber nach kurzer Beratschlagung haben wir uns doch auch dazu entschlossen den Aufenthalt am Boya Lake abzubrechen. Laut vorherigem Wetterbericht und der aktuellen Wetterlage sollte es sich so schnell nicht ändern. Wir hatten uns zudem erhofft, dass man in Watson Lake vielleicht zum Canada Day Aktionen miterleben könnte wie z.B. ein Picknick oder ein Feuerwerk. Denn hier auf dem Campground sah es nicht so aus als ob noch viel heute passieren würde.

Die geplante Kanu-Tour fiel somit auch wortwörtlich ins Wasser und musste auf einen anderen Tag verschoben werden. Wir sind also im Regen losgedüst und kamen im Trockenen in Watson Lake an. Watson Lake liegt nicht mehr in Britisch Columbia sondern gehört schon zum Yukon. Wir haben somit heute die Provinzgrenze übertreten und sind ab sofort, bis auf ein paar wenige Kilometer des Alaska-Highways, im Yukon unterwegs.

Wie wir  feststellen mussten, war in Watson Lake leider auch der Hund begraben. Den Ort nutzen die meisten Leute nur zum Durchfahren oder Tank-Stopp. Die Feierlichtkeiten zum Canada Day beschränkten sich auf Family Activities am Nachmittag, die wir nun natürlich verpasst hatten und ein Feuerwerk gab es auch keines. Es gab nicht mal ein Pub, dass zu einem Einkehrschwung einlud. 😤

 Überbleibsel nach einem Waldbrand

Welcome to the Yukon!

Elk on the road


Also mussten wir - beziehungsweise vor allem ich - uns damit abfinden, dass wir ausgerechnet am Canada Day den trostlosesten Tag unserer bisherigen Tour verbringen sollten: Regen, keine Kanu-Tour, kein Feuerwerk ...

Das hatte ich mir total anders vorgestellt. Eigentlich war mein Wunsch den Tag in einer kleinen Stadt mit Parade und allem Schnick-Schnack inklusive Feuerwerk zu verbringen oder wenn es zeitlich ausgeht vielleicht schon in Whitehorse im Yukon zu sein. Aber wie so oft kommt es anders als man denkt ... 😥

Ein Lichtblick an diesem grauen Tag war definitiv der morgendliche Spaziergang bevor der Regen kam und die Nachbarn auf dem neuen Campground. In Watson Lake haben wir nämlich ganz besondere Nachbarn: Irene, ihr Mann und ihr kleiner Hund kommen aus Obersasbach. Der Ort ist in einem der Nachbartäler von unserem Heimatort. In Elzach waren die beiden auch noch kurz bevor sie nach Kanada geflogen sind, um einen Nachmittag mit ihrem Sohnemann beim dortigen Radrennen zu verbringen. Ihre Tochter lebt seit eingen Jahren in Kelowna und arbeitet dort in einem Hotel. Die zwei besuchen sie nun für einige Monate und machen zwischendurch einen Tour hoch bis in den Yukon. Mit Irene kann man sich wunderbar und in badisch unterhalten!

Ach ja und "Minnie Winnie" steht auch hier. Gesprochen haben wir dank des wieder aufkommenden Regens nicht mit ihm oder seiner Frau, da sich lieber alle schnell in die Wohnwägen zurückziehen. 😂

Zum Abendbrot gab´s heute Steak mit Quinoa-Salat - allerdings nicht überm Feuer wie geplant sondern in der Pfanne gegrillt. Wir hatten hier keine Feuerstelle, um zu grillen und im Regen hätte das sowieso keinen Spaß gemacht. Anstatt Feuerwerk & Co. gibt es nur einen weiteren kurzen Spaziergang durch den Ort und dem berühmten Schilderwald. Dort suchen wir nach bekannten Schildern aus der Heimat und nach Kuriositäten.

O Canada! 🐻🍁💛

Dinner Time

Im Schilderwald in Watson Lake


Im Schilderwald in Watson Lake

Ein Autoschild aus der Heimat: EM :)

Lama´s waren auch schon hier :)

Im Schilderwald in Watson Lake
Watson Lake



02.07.2017 - Sonntag - Watson Lake- Teslin

Nach dem Frühstück haben wir nochmal Irene mit ihrem Hund getroffen und mit ihr uns über die weitere Routenplanung unterhalten. Wahrscheinlich treffen wir uns später wieder, denn ihr heutiges Etappenziel heißt auch Teslin.

Bevor es auf dem Alaska-Highway dorthin geht, kaufen wir uns noch Proviant für die nächsten Tage ein, gehen Tanken und füllen unsere Propangasflasche auf. So sind wir bestens ausgestattet.

Nun geht es auf dem Alaska-Highway weiter in Richtung Norden und ich "darf" nun endlich auch mal das Steuer unseres Trucks übernehmen. Roman hat den Highway für gut genug befunden, dass ich auch mal fahren kann. 😆

Zugebenermaßen war das schon eine Umstellung mit so einer großen Karre und dem Aufsatz zu fahren. Ich bin damit auch nicht besonders schnell gefahren, weil ich immer ein bisschen Sorge hatte den Wagen nicht 100 % unter Kontrolle zu haben. Dann gab´s noch die ein oder andere Baustelle mit Rollsplit & Co. zu passieren. Im Großen und Ganzen hat es meiner Meinung nach aber ganz gut geklappt.

Auf dem Weg nach Teslin gab es abgesehen von Landschaft nicht allzu viel zu sehen und so haben wir nur an einem Rastplatz länger angehalten. Dort gab es einen Boardwalk zu einem Wasserfall. Den sind wir zum Füße vertreten gelaufen.

Roman am Wasserfall

Boadwalks

Wasserfall am Alaska-Highway


Kurz vor Teslin hat man dann einen tollen Blick auf das Städtchen, da man über einen Hügel zur Stadt am Fluß und See hinuter fährt. Über den Fluß geht eine enge und lange Brücke mit einem Gitterboden, über die ich nicht fahren wollte. Also haben Roman und ich sicherheitshalber wieder die Plätze getauscht.

Brücke von Teslin

Überfahrt über die Brücke

Ein Gewitter ist in Anmarsch


Bevor wir auf unserem Campground Yukon Motel & Lakeshore RV Park eingecheckt haben, machten wir noch eine kleine Sightseeingtour durch den Ort und haben dort das Museum George Johnston Museum besucht. Dort konnte man einiges zum bekanntesten Bewohner von Teslin und seiner Leidenschaft für Fotografie und das erste Auto des Ortes nachlesen. Das Museum hatte auch tolle Ausstellungsstücke und eine Trapper-Hütte zum Hineingehen und sich wie in der Wildnis fühlen.

Im George Johnston Muesum - Wolf und Elch

Im George Johnston Muesum - Das erste Auto von Teslin

Im George Johnston Muesum - Trapperhütte

Im George Johnston Muesum - Trapperhütte

Im George Johnston Muesum - George´s Shop

George Johnston Muesum


Von hier ging es zum Teslin Tlingit Heritage Centre. Dort haben wir verschiedene Holzmasken der First Nations bestaunt und einen Film über die Ureinwohner in dieser Region angeschaut. Dank des Canada Day´s gab´s sogar noch Kaffee und Kuchen umsonst und so kamen wir doch noch ein bisschen in den Genuß an den Festivitäten "teilgenommen" zu haben. 😋

Totempfähle am Heritage Centre

Pappsüßer Kuchen zum Canada Day :)

Blick zum Teslin Lake

Teslin Tlingit Heritage Centre

Überichtskarte am Aussichtspunkt

Panorama am Teslin Lake


Anschließend ging´s zum Check-in auf den Campground. Wir haben dort endlich auch mal wieder vernünftiges Internet und nutzen dieses aus. Denn unter anderem geht es darum Kontakt mit Monika und Jochen aufzunehmen, um herauszufinden, wo die zwei stecken und wo man sich als nächstes treffen könnte. Auf ein Telefonnetz kann keiner mehr von uns zurückgreifen seit wir in Northern BC angekommen sind und im Yukon ist es kein Deut besser. Deshalb geht die Kommunikation eigentlich nur per Email.

Wie sich herausstellte, sind die beiden schon weiter nach Whitehorse gefahren und nicht wie vermutet in Teslin anzutreffen. Wir verabreden uns somit lose in Whitehorse, denn noch wissen wir nicht genau wann wir dort eintreffen werden und auf welchen Campground wir stehen wollen.

Während wir so schön auf der Veranda sitzen und unsere Nachrichten checken, kommt Irene mit ihrem Hund vorbei. Wie angekündigt, haben wir die Obersasbacher hier wiedergetroffen. Das macht doch Spaß.

Zum Abendessen gibt´s bei uns heute Wraps. Die sind schnell zubereitet, denn wir haben Hunger. Zur Verdauung machen wir einen Mini-Spaziergang hinunter zum See und kehren im dazugehörigen Souvenir-Shop mit Wildlife Gallery, in der man ausgestopfte Tiere bestaunen konnte.

Wölfe

Elch und Wolf

Grizzlybär

Blick vom Campground auf den Teslin Lake

Blick vom Campground auf den Teslin Lake

Brücke in der Abendsonne


Den Abend haben wir mit einer weiteren langen Internet-Session verbracht. Das Netz ging erstaunlich schnell und so konnte Roman einiges für unsere Routenplanung machen und ich einges für meinen Blog sowie diverse Emails schreiben.

Wir saßen hier bis ca. 1 Uhr nachts und man mag es ja kaum glauben, aber es war immer noch leicht hell. Echt abgefahren wie spät hier oben die Sonne untergeht. Heute Nacht haben wir das zum ersten mal so richtig mitbekommen: zum einen weil wir vorher noch nie so lange auf waren und zum anderen, weil man gefühlt jeden Kilometer mehr in den Norden merkt. Genau das wollten wir erleben: die langen Tage im Norden. 🌞

Dienstag, 22. August 2017

GoNorth Road Trip - Von Vancouver Island nach Northern BC

27.06.2017 - Dienstag - Port Hardy - Prince Rupert

Heute geht´s zur nächsten großen Etappe unseres Road Trips: von Vancouver Island geht es mit der Fähre aufs Kanadische Festland. Die Fährfahrt dauert ca. 16 Stunden (!) und führt uns durch die berühmte Inside Passage.

Los geht´s deshalb auch schon richtig früh. Mit einem sehr frühen kurzen Frühstück starten wir in den Tag, denn um kurz nach 6 Uhr soll die Beladung der Fähre schon starten. Bis wir dann allerdings dran sind, ist es schon kurz vor 7 Uhr. Unser Schiff, die Northern Expedition, legt aber trotzdem einigermaßen pünktlich ab.

Nun gilt es einen Sitzplatz für die Fahrt zu suchen. Zu Anfangs sind wir uns nicht einig, wo denn der beste Spot ist und laufen x-mal hin und her. Im Grunde genommen ist es aber Wurscht wo wir sitzen, denn die Fähre mag zwar auf dem Autodeck voll sein aber es sind viel weniger Menschen an Board als Platz hätten und so können wir uns immer mal wieder einen neuen Platz suchen. Die ein oder andere Stunde wird man vielleicht auch draußen verbringen, um sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und schöne Fotos zu machen. Und genau so war es auch ... viel Wirbel um Nichts. 🙈😅

Verladen der Autos und Monika & Jochen´s Camper

Die lange Fahrt mag auf den ersten Blick total langweilig erscheinen und wir haben alle schon befrüchtet, dass wir die Stunden nur mühsam um bekommen. Aber im Nachhinein war die Fahrt sehr kurzweilig. Wir haben die Zeit mit Lesen, Blog schreiben, Fotos sortieren, essen, reden und einfach nur die Landschaft bestaunen verbracht. Gerade letzteres war prima. Vermeintlich ändert sich die Landschaft kaum: blaues Wasser, grün bewachsenes Festland oder kleine Inseln, aber irgendwie war das doch ganz schön spannend. Manchmal ist man ganz dicht daran vorbei gefahren, manchmal konnte man Fjorde sehen und was besonders toll war: wir konnten Buckelwale sehen! 🐳

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage

Impressionen von der Inside Passage


Wir haben bestimmt an die 5 oder 6 Wale gesehen - mal mehr oder weniger nah, manche einzeln und manche zu zweit. Einfach toll diese Tiere beobachten zu können. Das Fotografieren der Tiere gestaltete sich etwas schwierig. Roman legte sich mit seiner Spiegelreflexkamera mehrfach auf die Lauer. Ich habe es irgendwann aufgegeben und einfach nur die Aussicht auf die Tiere genoßen.

Deutsches Fabrikat & die Queen "fährt" auch mit :)

Impressionen von der Inside Passage

Bella Bella

Impressionen von der Inside Passage


Um kurz nach 23 Uhr und im Dunkeln kamen wir dann in Prince Rupert an. Die Stadt beeindruckte nachts vor allem mit ihrem taghell beleuchteten Hafen. Hier ist ein riesiger Umschlagplatz für Holz und andere Güter, die im Norden gebraucht werden. Übernachtet haben wir ganz pragmatisch auf dem Walmart-Parkplatz. Das fand ich eine ausgesprochen coole Aktion von uns. Ich hätte nicht gedacht, dass wir das auch mal machen werden. Mit der Idee waren wir natürlich nicht alleine und so standen wir neben einer Handvoll anderer Camper, die auch mit der Fähre zu später Stunde angekommen sind in einer Ecke des großen Parkplatzes. 😆



28.06.2017 - Mittwoch - Prince Rupert - Meziadin Lake

Bevor es heute weitergeht, kümmerten wir uns zuerst um die notwendigen Dinge wie Einkaufen (bei Walmart versteht sich und zusätzlich noch bei Safeway, da der Walmart hier echt schlecht sortiert war) und Tanken. Unsere Strecke führte uns bis zum Meziadin Lake. Bis wir dort allerdings ankommen sollten, galt es einiges an Strecke zu machen. Wir fuhren zuerst an einem langen Meerarm entlang, der irgendwann in einen Fluß übergingt. Über die Orte Terrace und Kitwanga erreichen wir dann unser Tagesziel.

Ausblick von unserem Stellplatz am Walmart in Prince Rupert
Kurz hinter Prince Rupert

Auf dem Highway

Terrace kennt Roman aufgrund seiner Begeisterung für´s Heli-Skiing. Dort kann man das unter anderem machen und so stoppen wir im Visitor Centre in Terrace nicht nur für die obligatorische Toiletten-Pause sondern auch um ein paar Prospekte einzusammeln. Schließlich kann man nie genug mit der Planung der nächsten Reise anfangen. 😉🎿

Kitwanga ist ein Wunschziel von mir, denn dort kann man Totempfähle bestaunen und das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Erst recht nicht, nachdem ich in einem Prospekt wunderschöne Fotos davon gesehen habe. Ein bisschen Kultur muss man auf so einer Reise schon mitnehmen. Es gibt in Kanada nicht allzu viel davon zu bestaunen, denn hier geht es mehr um Natur und Landschaft. Das einzig kulturelle, was man im Westen erleben kann, ist die Geschichte der First Nations und die Totempfähle gehören da natürlich dazu.

Totempfähle in Kitwanga

Totempfähle in Kitwanga

Totempfähle in Kitwanga

Totempfähle in Kitwanga

St. Paul´s Anglican Church von 1893


Der Campground am Meziadin Lake liegt direkt am See und wir finden zwei schönen Spots direkt nebeneinander und in zweiter Reihe zum See. Es stellt sich schnell heraus, dass direkt am See eh nicht so clever gewesen wäre, denn die Mücken sind doch ganz schön lästig. Anstatt richtig vielen Mücken dürfen wir uns an unserem Stellplatz stattdessen mit ganz vielen weißen Blüten von den Bäumen herumschlagen. Der Boden liegt richtig voll davon.

Beim Rundgang über den Campground habe ich unter anderem einen netten älteren Herrn aus Vancouver getroffen, der mir von seiner Tour erzählte und Tipps für unsere weitere Route geben konnte. Unter anderem hat er uns empfohlen am Boya Lake zu halten und wenn möglich auch dort zu campen. Mit Roman habe ich später noch einen Herrn aus Deutschland getroffen, der uns ebenfalls in den höchsten Tönen von diesem See vorgeschwärmt hatte. Diesen Herrn sollten wir später noch öfters treffen. Wir haben auf dem Campground auch wieder Leute getroffen, die auf der Fähre waren und mit uns auf dem Walmart-Parkplatz gestanden haben.

Die Empfehlung zum Boya Lake zu fahren, nehmen wir gerne in unsere Routenplanung auf. Tipps von anderen Campern sind immer willkommen.

Nach dem Essen haben wir uns nochmal intensiv über unsere Routenplanung und die Erwartungen an die Tour unterhalten. Wir haben noch eine großes Stück vor uns und es galt abzustimmen wie wir dies angehen möchten. Auf der bisherigen Tour haben wir festgestellt, dass wir vier ab und an ein unterschiedliches Tempo haben. Monika und Jochen möchten den Tag teilweise anders gestalten als Roman und ich. Die ein oder andere Tagestour werden wir deshalb demnächst getrennt machen und uns dann erst wieder am Abend auf dem Campground treffen oder auch mal ein paar Tage separat fahren.

Meziadin Lake

Meziadin Lake

Campground am See

Meziadin Lake


29.06.2017 - Donnerstag - Meziadin Lake - Stewart - Hader / USA - Bell II

Gemeinsam geht´s heute nach Stewart. Dieser Ort liegt nicht direkt auf dem Weg, aber er wird als Highlight in sämtlichen Reiseführern und Prospekten angegeben. Stewart liegt direkt am Meer und von hier aus kann man nach Hyder in Alaska / USA fahren, welches sozusagen direkt um´s Eck liegt und nur von Stewart oder vom Meer her erreichbar ist. Dies bedeutet wir werden heute zum ersten mal nach Alaska kommen - aufregend! 😁

Die Fahrt nach Stewart ist spektakulär! Wir fahren durch ein enges Tal und sehen schon um uns herum diverse Gletscher. Kurz vor dem Ort gibt es eine riesige Baustelle und wir werden mit einem Pilot Car zum Ende der Baustelle geleitet. Sowas gibt´s in Deutschland nicht. Das war schon interessant. In einer kleinen Auto- beziehungsweise Camper Kolonne ging es dem Baustellenfahrzeug hinterher, so dass jeder sicher ans andere Ende gelangt.

Völlig verstaubt, da der Straßenbelag abgenommen wurde, kommen unsere Trucks in Stewart an. Dort wird obligatorisch erst mal das Visitor Centre angesteuert bevor wir einen Mini-Bummel durch den winzigen Ort machen. Wir kommen uns vor wie in einem Western-Film. Sehr pittoresk!

Stewart

Stewart

Stewart


Wir beschließen von hier aus noch weiter nach Hyder zu fahren und dort die Schotterstraße zum Salmon Glacier auf uns zu nehmen - für was haben wir denn sonst unsere 4-Wheel-Trucks gemietet?

Um nach Hyder zu gelangen, fährt man über die kanadisch-US-amerikanische Grenze. Auf dem Rückweg nach Stewart werden die Pässe kontrolliert. Hyder ist ein sehr verschlafenes Nest. Im Vergleich zu Stewart wirkt der Ort fast wie ausgestorben. Er versprüht einen sehr morbiden Charme.

Ortseingang von Hader / Alaska, USA
Souvenir Shop in Hader - "leider" geschlossen :)


Der Weg windet sich fast 40 km auf einer Schotterpiste den Berg hoch. Schon sehr beeindruckend wenn man irgendwann um die Ecke biegt und man die ersten Ausläufer des Gletschers sieht. Wir beschließen erstmal bis ganz oben zum letzten Aussichtspunkt zu fahren und dort unsere Mittagspause zu verbringen. Welch ein Spot für einen Lunch?

Der Gletscher ist schon sehr beeindruckend, da er sehr groß ist und der Strom aus Eis in zwei  Strängen vom Berg fließt. Ich habe sowas noch nie vorher gesehen. Auf dem Rückweg machen wir nochmal ein paar Stopps, um den Gletscher aus anderen Perspektiven zu fotografieren.

Salmon Glacier

Salmon Glacier

Salmon Glacier


Salmon Glacier

Salmon Glacier

Selfie am Gletscher

Lunch Spot

Salmon Glacier - Ausläufer mit Gletscher-See

Gletscher-Fluß

Salmon Glacier


Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Stopp in Hyder. Wir machen eine kleine Sightseeingtour und halten bei der Aussichtsplattform, wo man im Herbst die Grizzlybären beim Lachs-fischen sehen kann. Jetzt ist die Plattform verweist, denn es gibt nichts zu sehen. Die Bären kommen nämlich erst wenn sich die Lachse hier tummeln. Anstatt Lachse und Bären lernen wir dann ein sehr nettes Rentner-Pärchen aus den USA kennen. Sie geben uns diverse Tipps für unsere Tour nach Alaska und auch für den Yukon haben sie einige Empfehlungen für uns. Wir sammeln wieder fleißig Anregungen und plaudern munter mit den beiden.

Tipps zu Bärenbeobachtung :)


Auf dem Weg zurück müssen wir nur ein paar wenige Fragen des Grenzbeamten beantworten und schwups sind wir wieder in Kanada. Am Straßenrand wartet dann eine kleine Überraschung auf uns. Ein Schwarzbär ist genüßlich am Wegesrand am Futtern. Wir können ihn aus der Ferne beobachten und ein paar Fotos schießen.

Schwarzbär


Am Bear Glacier stoppen wir nochmal kurz und Roman und ich machen noch eine kleine Kaffee-Pause. Monika und Jochen düsen schonmal los: wir wollen auf dem Campground der Bell II Lodge übernachten.

Bear Glacier

Bear Glacier

Stewart-Cassiar-Highway


Roman kennt die Lodge wegen seinen Recherchen für das Heli-Skiing. Denn das kann man dort auch machen. Wir kümmern uns bei der Ankunft am Campground erstmal um unsere Wäsche und schieben einen Pizza in den Backofen. Leider brutzelt diese an und so muss ein Plan B für unser Abendessen her. Wie ärgerlich ... nach so einem langen Tag will man eigentlich nur schnell was essen und nicht erst noch groß kochen.

Der Campground ist ziemlich leer im Vergleich zu dem Campground am Meziadin Lake. Wir lernen neben uns ein junges Pärchen aus Thüringen kennen. Die beiden haben eine ganz ähnliche Route wie wir geplant - allerdings in einer viel kürzeren Zeit als wir und wir wundern uns, wie dies wohl zu bewerkstelligen ist. 😉

Bell II Lodge