Mittwoch, 17. Mai 2017

Erste Tage in Banff - Tunnel Mountain - Hoodoo Trail

02.05.2017 - Dienstag - Banff

Meinen ersten Vormittag in Banff habe ich im Hostel verbracht. Schließlich gilt es hier einen Job zu ergattern und deshalb habe ich mich an den Laptop gesetzt und den Lebenslauf auf den neuesten Stand gebracht. Damit war ich nicht alleine: Jade aus der Nähe von Quebec, meine Zimmerkollegin, saß mit ihrem Laptop neben mir und hatte das gleiche Vormittagsprogramm.

In der Lounge habe ich Julia wieder getroffen, die ich gestern Abend schon kurz kennenlernen durfte. Im Hostel gibt es auch wieder einige Deutsche, wie z.B. Michael aus dem Allgäu. Mit ihm kann man sich auch sehr gut unterhalten. Er ist schon seit knapp 5 Wochen in Banff und hat endsprechend viel zu berichten und schwups ist der Vormittag auch schnell vorbei.

Zum Mittagessen habe ich mir den restlichen aus Golden mitgebrachten Eintopf aufgewärmt und danach ging´s gestärkt an das Verteilen der frisch gedruckten Lebensläufe.

Gleich bei meiner ersten Station, dem IGA Supermarkt, hatte ich das Glück direkt ein Interview Termin zu bekommen. Durch Zufall habe ich direkt Pauline, die Inhaberin des Supermarkts angesprochen und sie hat mich gleich an Alison, ihre HR Managerin, weitergeleitet. Am Ende des Gesprächs hatte ich direkt den Job als Kassiererin. Ich hätte nicht gedacht, dass das so einfach klappt und mich schon auf stundenlanges Herumspazieren eingestellt. 🍀

Das ist doch mal ein Lichtblick und stimmte mich entsprechend fröhlich. Bis der ganze Papierkrieg erledigt war, ging bestimmt nochmal eine Stunde herum.

Den restlichen Nachmittag habe ich dann mit einem Spaziergang zu den Bow Falls und zum Fairmont Banff Springs Hotel verbracht. So lässt es sich doch aushalten ... anstatt Lebensläufe verteilen, gehe ich spazieren. 😊

Banff Avenue - Clock Tower Village Mall mit Mt. Rundle

Bow River mit Cascade Mt.

Bow Falls

Bow Falls

Bow River mit Mt. Rundle

Bow Falls

Bow River

Fairmont Banff Springs Hotel

Fairmont Banff Springs Hotel

Fairmont Banff Springs Hotel

Fairmont Banff Springs Hotel

Fußgängerbrücke über dem Bow River - Mt. Rundle

Cascade Mt. - Banff Avenue

Visitor Centre auf der Banff Avenue

Abends war ich mit Julia verabredet. Sie hatte auf den vielen Zetteln mit kulinarischen Sonderangeboten herausgefunden, dass es im High Roller 10 Chicken Wings für 5 Dollar gibt. Ein richtiges Schnäppchen! Eigentlich bin ich kein Fan von Chicken Wings, aber ich bin nicht wählerisch, wenn es darum geht mit neuen Leuten einen netten Abend zu verbringen.

Meine Chicken Wings mit Ahorn-Sirup und Soja Soße waren richtig lecker ... und die Pommes erst. Ich kann mich nicht beschweren. Das Essen und der Abend waren prima. Ein richtig netter Abschluss meines ersten Tages in Banff. 😋

Dinner Time



03.05.2017 - Mittwoch - Banff

Heute morgen startet direkt das Training beim IGA Supermarkt. Mit mir fängt auch noch Ursula an. Sie wird im Deli arbeiten. Ursula kommt aus Banff und suchte auch einen Sommer-Job. Sie studiert Kunst und ist die halbe Woche im Banff Centre bei ihrer Professorin.

Wir beiden durften uns den ganzen Tag Sicherheitsunterlagen, Videos anschauen und Tests machen. Es wird hier ganz schön viel Aufwand betrieben, um den Mitarbeitern die Sicherheitsvorschriften und Allgemeines zum Supermarkt und der dazugehörigen Kette zu vermitteln.

In der geballten Ladung kenne ich das bisher nicht. Eigentlich hätten wir dafür 5 Stunden brauchen sollen, aber als wir damit fertig waren, waren knapp 8 Stunden herum. Danach war ich auch ganz schön durch. Das ist richtig anstrengend, sich den ganzen Tag zu konzentrieren und sich Unterlagen zu den Themen durchzulesen - teilweise haben sich die Dinge auch noch wiederholt.

Ich war abends richtig froh nach einem kurzen Zwischenstopp im Hostel an die frische Luft zu kommen. Julia hatte mir den Tipp gegben, den Fenland Trail unweit von Banff Downtown zu gehen und danach noch einen Abstecher zu den Vermilion Lakes zu machen. Ein einfacher und wunderschöner kleiner Spaziergang mit wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Berge.

Bow River und Sulphur  Mt.

Banff Canoe Club

Fenland Trail

Mt. Rundle

Vermilion Lake mit Mt. Rundle

Auf dem Rückweg habe ich dann glatt wieder eine Deutsche Rucksacktouristin getroffen. Da sie in einem anderen Hostel untergekommen ist, trennten sich unsere Wege nach einem gemeinsamen Stopp beim Supermarkt. Sie hat ein Auslandssemester in Neufundland gemacht und ist nun auf Rundreise durch den Westen von Kanada bevor es bald zurück nach Deutschland geht.

Ich habe mir abends dann noch schnell ein paar Nudeln mit Soße warm gemacht - total kreativ - und anschließend ein bisschen am Laptop gesessen. Aber da ein solcher Tag doch recht müde macht, war ich auch bald im Bett und im Reich der Träume.



04.05.2017 - Donnerstag - Banff

Da aller Anfang schwer ist und ich immer noch in Gedanken oft auf der Buffalo Ranch und bei den Leuten in Golden hänge, habe ich mir für heute vorgenommen positive Energie und neue Kraft durch zwei schöne Wanderungen zu tanken. Dank dem Kaiserwetter war ich doppelt motiviert mich nicht unterkriegen zu lassen.

Mountain Therapy at its best!

Ich hatte ein bisschen darauf spekuliert die Wanderung zusammen mit Jade machen zu können, aber da sie am Vortag schon auf dem Tunnel Mountain war, wollte sie natürlich nicht schon wieder mitkommen. Also nichts wie alleine los. Alleine bleibt man in Banff eh nicht, da es hier richtig trubelig ist und auf den kleinen Hausberg von Banff bei dem schönen Wetter bestimmt viele Wanderer wollen.

Und genau so war es auch. Kaum hatte ich den Startpunkt des Trails erreicht, war ich nicht mehr alleine unterwegs. Der Weg windet sich in leichten Serpentinen knapp eine Stunde den Berg hoch und ist leicht zu bewältigen. Unterwegs trifft man ab und an auch auf ein paar Rehe. 

Fotostopps gibt es auch zur Genüge - um Fotos zu machen und Luft zu schnappen. Meine Kondition ist nicht mehr die Beste. Daran muss ich wohl die nächsten Wochen wieder arbeiten. Heute ist dafür schon mal ein guter Anfang. 😅

Bei einem dieser Stopps sprachen mich Amphy und Lyn an, ob ich sie denn fotografieren würde und ob ich nicht auch gerne ein Foto von mir hätte. Nichts leichter als das und schwups waren wir im Gespräch und legten den restlichen Anstieg bis zum Gipfel zusammen zurück!

Wie toll ist das denn?! Da läuft man alleine los und hat ehe man sich versieht zwei Hiking Buddies bzw. Bunnies. 😅🐰🐰

Die beiden kommen gebürtig von den Philipinen. Ampfy wohnt mit ihrer Familie seit über 15 Jahren in Calgary und Lyn mit ihrem Mann in China. Lyn ist für eine Woche in Kanada zu Besuch und deshalb versuchen die beiden in der kurzen Zeit so viel wie möglich zusammen zu erleben.

Mit den beiden habe ich dann auf dem Gipfel mein Vesper geteilt und wir haben gemeinsam Gipfel-Fotos geschossen. Welch schöne Ausblicke man doch von hier oben hat! Die beiden mussten dann aber zeitig los und ich bin noch etwas länger sitzen geblieben. Mit Amphy habe ich mich über Facebook verknüpft. Vielleicht können wir uns nochmal treffen bzw. sie hat mich eingeladen mich zu melden, falls ich nach Calgary kommen sollte.

Meinen Rückweg habe ich dann noch um eine weitere Wanderung ergänzt, weil es so viel Spaß macht und heute so ein toller Tag ist. Da steigt die Stimmung ... bei so netten Menschen und so schöner Landschaft um mich herum.

 Banff mit Blick auf Cascade Mt.

Mt. Rundle

Aussichtspunkt Mt. Rundle

Auf dem Tunnel Mt. Trail

Blick auf Banff

Banff Golf Course - Bow River

Aussichtspunkt Mt. Rundle, die zweite

Blick vom Gipfel auf Banff

Gipfelstürmer


Blick auf das Fairmont Banff Springs Hotel - Sulphur Mt.

Gipfel Panorama

Hiking Bunnies - Ampfy, ich und Lyn

Hiking Bunnies - Ampfy, ich und Lyn

Banff

Mt. Rundle

Der nächste Trail hieß dann Hoodoo Trail. Hoodoo´s sind Steinformationen, die die Natur geformt hat und dieser Trail führte mich genau zu solch einer. Da bin ich ja gespannt wie so was wohl aussehen mag.

Der Trail schlängelte sich zuerst am Bow River unterhalb des Tunnel Mountain entlang und ging dann mit einem leichten Anstieg in Richtung Tunnel Mountain Campground über. Spektakuläre Aussichten hat man von hier - sagenhaft!! Ich bin ganz begeistert und so froh, dass mir die nette Dame im Visitor Centre diesen Trail empfohlen hat!

Auf dem Trail war ich im Gegensatz zum Tunnel Mountain Trail größtenteils alleine, was mir ab und an doch etwas unheimlich war - ich sage nur die Stichworte: Grizzly Bär und Schwarzbär. Mit lautem Klatschen habe ich mich dann ab und an fortbewegt ... bloß kein Risiko eingehen. Man kann ja nie wissen, was um die nächste Kurve herum lauert. Aber im besten Fall war es einfach nur der nächste Baum und ab und an ein Wanderer oder ein Mountain Biker. So lässt sich der Trail auch wunderbar alleine laufen und man soll sich ja schließlich nicht von seiner Angst unterkriegen lassen. Bear Spray zu kaufen, steht aber trotzdem ganz oben auf der Shopping Liste. 🐻

Die Hoodoo´s habe ich nach einigen anderen Aussichtspunkten dann auch erreicht und von dort ging´s am Campground entlang über die Straße zurück nach Banff Downtown. Ein ganz schön langer Wandertag.

Da war ich doch ganz schön platt als ich wieder unten ankam und vor allem auch durstig. Bei Starbucks habe ich mir einen Kaffee und ein Kaltgetränk gegönnt. Was ich später auch noch feststellen musste, war, dass ich mir einen tierischen Sonnenbrand eingefangen hatte. An Sonnencreme habe ich halt so garnicht gedacht. Also nichts wie noch geschwindt in den Drogeriemarkt und Sonnencreme kaufen bevor es zurück zum Hostel ging. Der nächste Sonnentag kann kommen!

Steilwand des Tunnel Mountain

Blick zum Mt. Rundle - Bow River mit Schnee & Eis

Entlang des Weges

Kanu fahren auf dem Bow River

Bow River

Hoodoo Trail

Hoodoo Trail

Hoodoo Trail

Mt. Rundle

Mt. Rundle mit Bow River

Blume am Wegesrand

Mein Pausen Spot

Blick über das Bow River Valley

Blick zurück zum Tunnel Mt. & Sulphur Mt.

Mt. Rundle

Hoodoo

Hoodoo mit Mt. Rundle


Samstag, 13. Mai 2017

Abschied aus Golden

29.04.2017 - Samstag - Golden

So langsam aber sicher rücken die letzten Tage auf der Ranch näher und heute beginnt für mich das letzte Wochenende hier. Ich habe deshalb den Vormittag genutzt den letzten Blog-Post auf den Weg zu bringen und bin danach bei den Büffeln vorbeispaziert. Auf der Wiese gegenüber der Scheune konnte ich Rehe beim Grassen zu schauen - welch Idylle!

Gegen späten Vormittag bin ich gemeinsam mit Leo zu den Büffeln spaziert. Er hat mit dem Loader zwei Heuballen auf die Wiese gebracht und ich habe das Tor aufgemacht. Schon irre wie Leo über die Wiese spazieren kann ohne, dass die Büffel irgendwas unternehmen. Er wollte sich nämlich die kleinen Büffel-Babys genauer anschauen. Anschließend haben wir rund um die Scheune noch ein bisschen aufgeräumt und ich habe ihm gezeigt was ich in seiner Abwesenheit alles gemacht habe. Unter anderen sind wir zusammen zur Cabin spaziert und haben uns den neuen Kamin angeschaut. Ok, das war nicht mein Werk, sondern das von Matt.

Vormittags auf der Ranch

Trailer und Red Chief Mountain
Leo hat es später doch glatt hinbekommen eines der Autos zu starten. Er hat dafür die Batterie aufgeladen und ist damit zur Scheune gefahren. Im Workshop hat er auch nach dem Rechten geschaut und ich habe ihm die Geschichte mit Chester´s Herz gebeichtet. Er nahm das erstaunlich gelassen, nur ich bin wieder in Tränen ausgebrochen - na Bravo!

Immerhin konnte er mich damit trösten, dass sein Ursprungsplan nicht das Präperieren des Herzens war sondern er wollte es auf der Wiese beim Tipi begraben. Mit der Lösung das Herz an die Vögel zu verfüttern war er mehr als einverstanden - alles ist besser als in den Müll zu schmeißen. Da fiel mir doch ein Stein vom Herzen.

Vom Frühjahrsputz im Guesthouse war Leo sehr begeistert und ebenso dass ich die Zäune für´s Anstreichen vorbereitet habe. Die nächsten Helfer können sich dann um´s restliche Moos und die Farbe kümmern, wenn im Mai die Tage wärmer und nicht mehr so nass werden.

Zum allerersten Mal überhaupt habe ich dann mit Leo auf der Ranch gemeinsam gegessen. Wir haben unseren Lunch in der Küche vorbereitet und da so schönes Wetter war, haben wir uns zusammen vor seine Cabin gesetzt. Ich habe von seinen Büffel-Burgern eine Bulette abgekommen und zum ersten mal Büffelfleisch von Leo´s eigenen Büffeln gegessen - sehr, sehr lecker kann ich dazu nur sagen. 😋

Dass wir zusammen die Pause verbracht haben, fand ich sehr schön. Wir haben uns über seine Reise nach Deutschland, Italien, Portugal, UK und Tschechien unterhalten. So lässt es sich aushalten. 😊

Leo hat mir anschließend beim Housekeeping für die Cabin geholfen und so waren wir schnell mit der Arbeit fertig und die Cabin ist bereit für die neuen Gäste. Ich habe deshalb meine freie Zeit nochmal genutzt einen Spaziergang zu unternehmen. Es ist schon seltsam, da war ich so lange alleine und nun ist wieder jemand da, mit dem man sich unterhalten und Dinge gemeinsam erledigen kann und schwups braucht man doch wieder ein bisschen Zeit für sich.

Abends bin ich mit Leo zur katholischen Vorabendmesse nach Golden gefahren. Wir beide durften aus Ermangelung an Ministranten auch noch bei der Gabenbereitung helfen. Leo hatte sich vor der Messe mit Pfarrer Joseph unterhalten und ich wurde deshalb auch persönlich begrüßt. Die Gemeinde ist sehr klein und so kennt jeder jeden und alle unterhalten sich vor der Messe in der Kirche miteinander. Das kenne ich von daheim so auch nicht gerade. Erinnerte mich irgendwie ein bisschen an die Messe, die ich zusammen mit Bernadette in New York besucht habe. Die Messe in Golden fand in einer ziemlich modernen Kirche statt - das ist eine ganze andere Atmosphäre als in einer Kirche daheim in Deutschland. Leo hat mir hinterher auch erzählt, dass er sich heute etwas ärmlich vorkam nachdem er in den letzten Wochen in so vielen großen, alten und prachtvollen Kirchen in Europa zu Besuch war.

Anschließend sind Leo und ich noch zum Supermarkt gelaufen und haben unsere Lebensmittel für die nächsten Tage eingekauft. Mit dem Taxi ging´s dann wieder zurück. Leo hatte ungern einen seiner Freunde am Samstag Abend ansprechen wollen, da keiner davon in die katholische Kirche geht und vielleicht auch andere Dinge für den Abend geplant hatte als Chaffeur zu spielen.

Ich habe dann abends noch Wäsche gewaschen, damit ich meinen Rucksack mit frischgewaschenen Sachen am Montag packen kann. Zum Abendessen gab´s dann Eiscreme anstatt einem vernünftigen Essen. Naja, ab und an kann man sich das ja gönnen.



30.04.2017 - Sonntag - Golden

Meinen morgendlichen Spaziergang zu den Büffeln hätte ich mir eigentlich sparen können, weil die lieben Viecher sich mal wieder in Richtung Tor zur unteren Wiese aufgemacht haben. Damit hatte ich nun nicht gerechnet nachdem sie gestern doch so viel frisches Heu bekommen haben. Aber die Büffel haben halt ihren eigenen Kopf - da kann man nichts machen.

Leo kam dann gegen späten Vormittag auf mich zu und meinte, dass ein Teil der Büffel ausgebüxt wäre. Ich konnte es ja kaum glauben! Da ist er über 5 Wochen weg und ich befrüchte schon die ganze Zeit, dass das passiert wenn er weg ist und nun passiert es ausgerechnet an dem zweiten Tag, an dem er wieder zurück ist. Leo wollte eigentlich nur nach den Büffel-Babys sehen nachdem er gesehen hatte, dass alle beim Tor herumstehen. Als er näher kam, sah er dann dass sich die Hälfte schon auf und davon in den Wald gemacht hatte. Er konnte die andere Hälfte dann mit Klatschen und Rufen dazu motivieren sich in seine Richtung aufzumachen und so folgten die ausgebüxten Tiere ebenfalls und machten sich wieder auf den Rückweg.

Die Büffel bleiben lieber als Herde zusammen. Leo meinte, wenn er ein paar Minuten später dort gewesen wäre, wären vielleicht schon alle durch den Zaun marschiert. Da er aber die Hälfte motivieren konnte zu bleiben, sind die anderen von alleine wieder umgedreht. Nun haben wir eine neue Aufgabe für den Sonntag: Zäune flicken!

Bis es soweit war und Leo alle Materialien auf der Ranch dafür eingesammelt hatte, habe ich weiter das Moos auf den Zäunen entfernt. Leo hat derweil die Büffel auf ihre geliebte untere Wiese gelassen. Sie zurück zur Scheune zu bewegen, hätte er ohne Hafer-Snack und nach der Aktion nicht geschafft und so sind die Büffel halt früher runter als geplant. Die Wiese ist mittlerweile schon gut grün und so sollte genug zum Fressen da sein.

Mit Leo habe dann gegen Mittag den Elektrozaun geflickt. Wir haben uns auch noch andere Teile des Zauns angeschaut und diese verstärkt. Das war eine schöne Aufgabe, aber Leo meinte, dass da noch viel Arbeit auf ihn zukommt, denn es gibt noch einiges auszubessern, aber dafür benötigt er unter anderm neue Pfähle und schwere Maschinen.

Den freien Nachmittag habe ich genutzt, um nochmal zum Fluß runterzulaufen und natürlich neugrierig den Büffeln auf die untere Wiese zu folgen. Ich habe sie bisher dort unten noch nie gesehen. Ganz am Anfang meines Aufenthalts waren sie auch noch unten auf der Wiese, aber da war alles so tief eingeschneit, dass da kein so rechtes Durchkommen ohne Schneeschuhe war.

Ich habe die Ruhe am Fluß nochmal genoßen und an meinen Spaziergang hier runter mit Tanja & Romina gedacht. Es ist seit dem noch grüner auf den Wiesen geworden und längst nicht mehr so matschig und nass.

River Trail

Büffel auf der unteren Wiese

Blaeberry River
Abends hat mich dann Lish mit Darcy & Keara zum BBQ bei Pete abgeholt. Eigentlich wollte mich Matt abholen, aber der war noch mit den Schlittenhunden zugange, so dass er dafür noch keine Zeit hatte. Auf dem Weg zu Pete haben wir noch Deagon bei der Schule eingesammelt. Er war mit einer Gruppe zum Mountainbike fahren unterwegs. Nun waren wir komplett und es konnte losgehen.

Pete wohnt im Süden von Golden und hat Lish´s Family, Matt und mich zum Grillen bei sich zuhause eingeladen. Seine Frau Julie ist momentan in England bei ihrer Mutter und somit ist er Strohwitwer. Pete kommt eigentlich aus Nordirland, hat aber als Kind und Jugendlicher schon viel Zeit in Kanada verbracht. Danach hat er lange in der Nähe von London gewohnt und dort auch Julie kennengelernt. Julie musste wegen ihrer Aufenthaltsgenehmigung zurück nach UK und momentan wissen beide noch garnicht wann sie wieder zurück kann.

Pete ist ein richtig feiner Mensch und ich habe mich super gefreut bei ihm eingeladen zu sein. Ich habe ihn bereits beim Easter-BBQ bei Lish kennengelernt. Sein Haus auf dem Hügel ist zauberhaft. Da würde ich sofort einziehen! Er hat mir auch von seinem beruflichen Werdegang berichtet - sehr spannend, was er bisher alles gemacht hat. Er und Julie sind Fotografen und er möchte in Golden & den umliegenden Nationalparks Fototouren für Profis und Hobby-Fotografen anbieten - dafür gibt es garantiert eine große Nachfrage.

Für meinen letzten Abend in Golden hätte ich mir nichts schöneres wünschen können: wunderbare Menschen um mich herum und natürlich auch Loki (Pete´s Husky), lecker Burger vom Grill und später noch ein Lagerfeuer zum Aufwärmen. Golden Moments in Golden! 💛

Loki hat gegen später Stunde alle gut unterhalten. Als sich eine kleine Herde Rehe auf den Wiesen rund um Pete´s Haus aufhielt, dachte der Hund doch glatt uns eine kleine Showeinlage liefern zu müssen. Allerdings ging das etwas nach hinten los ... nicht der Hund vertrieb das Wild sondern eher anders herum! Welch Anblick - unvergesslich: Reh jagt Hund! 😆


Was werde ich das hier alles vermissen, wenn es für mich anderntags weiter nach Banff geht! Wie schön zu wissen, dass ich Ende Mai nochmal für zwei Tage mit Christiana zurückkommen kann. Da fällt der Abschied doch gleich viel leichter. Aufenthalt in Golden: 11 out of 10! 💗💛



01.05.2017 - Montag - Golden - Banff

Bevor es heute vormittag mit der leidigen Aufgabe des Packens losgeht, habe ich noch einen letzten Spaziergang über die Ranch unternommen. Schon komisch, jetzt alles erst hinter sich zu lassen und so gewohnte Dinge wie diesen Spaziergang bald nicht mehr machen zu können.

Das ist das Schwierige auf einer Reise wie dieser - man lernt ständig neue wunderbare Menschen & Orte kennen und muss dann irgendwann schweren Herzens wieder Auf Wiedersehen sagen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass man sich irgendwann irgendwo wiedersieht. 😥

Letzer Morgen

Spazierung über die Ranch
Damit ich aber garnicht erst zu traurig werden konnte, ging es erstmal ans Rucksack packen - neben dem Abschied nehmen - das Schlimmste am Reisen. Damit die nächsten Helfer das Loft auch wieder beziehen können, hieß es für mich auch noch Bettbezüge, Laken und Decken waschen, Staub wischen, fegen und alles sauber hinterlassen. Schon komisch, mein geliebstes Loft plötzlich wieder so leer zu sehen.

Nach einem kurzen Lunch bin ich nochmal bei den Büffeln auf der unteren Wiese vorbei. Die Büffel lassen sich freiwillig erstmal nicht wieder zur Scheune bewegen. Da bin ich ja gespannt wie Leo die Viecher die Tage wieder nach oben bewegen will. Als ob sie es nämlich wüssten, halten sie sich in der alleräußerten Ecke der Wiese auf - ganz schön gewieft, Chester Jr.´s Truppe. 😂🐂

Dann hieß es für mich auch Abschied von Leo nehmen. Der Abschied war gottseidank nicht ganz so rührseelig für mich wie befürchtet, da mein Abholkommando schon parat stand und ich erstmal garnicht mehr so traurig sein konnte. Leo hat mir zum Abscheid, sein Buch und zwei CD´s geschenkt und ich darf jederzeit wiederkommen und bei ihm auf der Ranch wohnen.

Anstatt Matt hat mich dann zum wiederholten Mal Lish und ihre Famile abgeholt. Welch Überraschung, dass nicht nur Lish kam sondern die gesamte Grill´s Family: Darcy, Keara und Deagon. Das nenne ich mal eine Verabschiedung! Wie schön ist das denn?! 😊

Die vier haben mich zur Busstation nach Golden gefahren, die sehr unspektakulär am Trans-Canada-Highway neben einer Tankstelle liegt. Ich musste mein Ticket einige Zeit vor der Abfahrt dort abholen und die vier haben die ganze Zeit bis zur Abfahrt mit mir gewartet. Ich bin so froh, sie alle kennengelernt zu haben. Das hat meinen Aufenthalt in Golden wirklich besonders gemacht.

Mit dem Greyhound ging es dann die knapp 2 Stunden von Golden nach Banff. Der Bus war ganz schön voll. Da mein Sitznachbar nicht wirklich gesprächig war, konnte ich meinen Gedanken nachhängen und die ein oder andere Träne verdrücken. 😥

Von der Busstation ging es dann zu Fuß zum Hostel. Dort habe ich erstmal eingecheckt mir meinen mitgenommen Eintopf aufgewärmt. Ein Stück Golden in Banff - wie tröstlich. Nach dem frühen Abendessen bin ich zu Fuß ein bisschen durch das hübsche Städtchen gelaufen. Banff kenne ich noch gut von meinem Aufenthalt hier im Sommer 2014 - verändert hat sich hier nicht allzu viel. So fiel die Orientierung sehr leicht.

An einer Ampel wurde ich doch glatt angesprochen. Julia, ein Mädel aus Deutschland, welches bei mir im Hostel ist und vorher in der Küche war (was ich garnicht richtig mitbekommen habe), wollte wissen, wohin ich denn des Weges wäre. Wir sind zusammen weiterspaziert und ich habe mit ihr an der Bushaltestelle auf ihren Bus gewartet. Sie wollte nämlich zu den Hot Springs fahren, aber da ich auf Baden gehen nicht eingestellt war, konnte ich spontan nicht mitkommen. Wir haben uns aber für anderntags verabredet. Ich bin manchmal wirklich selbst von mir erstaunt, wie einfach ich mit anderen ins Gespräch komme.

Hostel in Banff

Meet the locals Teil 1 - leider nur als Skulptur (bisher)

Fußgängerbrücke mit Blick zum Cascade Mountain

Bow River mit Mount Rundle

Meet the locals Teil 2 - Rehe am Bow River

Banff Avenue mit Cascade Mountain
Ein kleiner Lichtstrahl am Ende eines für mich sehr anstrengenden Tages. Schon komisch, wenn man sich plötzlich in einem Touristenstädtchen wiederfindet und vorher aus der vermeintlichen Einöde kommt (was sie aber defnitiv nicht war, denn die nächsten Nachbarn waren immer um die Ecke).

Es hat mir aber auch mal wieder gezeigt wie einsam man sich fühlen kann, wenn man unter vielen Menschen ist. Ich fand mich abends in einem vollbesetzten 6er-Mädels-Zimmer mit quietschenden Hochbetten wieder und mir war einfach nur zum Heulen. 😥

Dann ist es der richtige Zeitpunkt mir mein Motto wieder vor Augen zu führen. Danke, Judith. 😘

Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.
Meister Eckhart (1260 - 1328), deutscher Theologe und Philosoph